| Zeugnis
ablegen
Ich bin im kulturellen
Bereich tätig und befand mich heute zum ersten Mal hinter einem Mischpult
und einem PC, um Bilder auf die Leinwand zu projizieren, Videos und Musik
abzuspielen und die Scheinwerfer zu koordinieren. Ich agiere im Hintergrund,
unterstütze Künstler und Lektoren, ja, das ganze Festival.
Im Hintergrund…dienstbar sein…in Kontakt treten mit Bernadette.
Und jeden Abend sieht man diesen Satz auf dem Bildschirm, diesen einen
Satz, der mich zutiefst berührt. Die Gnade von Nevers: Sehen zu können
ist eine Kunst und Bernadette ist eine Künstlerin. Sie lehrt mich,
zu sehen und meine Heimatstadt als einen Ort wahrzunehmen, in dem Gott
tätig ist, und in dem der Geist weht – innerhalb und außerhalb
der Kirchen – im Herzen der Christen und aller Menschen, ein Ort,
in dem das Abenteuer Menschlichkeit gewagt wird, um eine bessere Welt
zu schaffen!
Denis
Zusammenkunft mit der hl. Bernadette
Man muss sagen, wir
kannten die hl. Bernadette…aber nur aus der Ferne.
Näher kennen gelernt haben wir sie erst, als wir die Schwestern von
Nevers besucht haben.
Und dann, eher durch Zufall, erhielten wir das Angebot, zusammen mit anderen
Ehrenamtlichen bei der Aufführung „Briefe der hl. Bernadette“
Texte vorzutragen.
Nur die Stimmen von Frauen werden hierbei eingesetzt, um einer anderen
Stimme Gehör zu verschaffen - der, der hl. Bernadette.
Christine
: „Ich habe an einem Abenteuer teilgenommen…einer wertvolle
Erfahrung, die es mir ermöglicht hat, dem Glauben der hl. Bernadette
auf die Spur zu kommen: Heiligkeit tritt klar zu Tage, ist aber auch verschmitzt,
demütig, und vor allem voller Liebe zu Gott.
Lektorin zu sein bedeutet für mich jedes Mal, eine Stunde wahrhaft
zu meditieren, eine „Gebetszeit“ zu nehmen in meinem viel
zu hektischen Leben!“
Gilles : „Die Liebe
muss grenzenlos sein, das ist die Botschaft, die ich jedes Mal erhalte,
wenn ich mich bei der Aufführung „Briefe von Bernadette“
um die Technik (Licht und Video) kümmere: von meinem versteckten
Posten aus, unterstütze ich jeden Abend die Verbindung, die sich
zunehmend zwischen der Lektorin (jeden Abend eine andere Person), den
Anwesenden (jeglichen Alters und jeglicher sozialen Stellung) und Bernadette
aufbaut, deren Botschaften auch heute noch aktuell sind. Und ich muss
gestehen, dass ich bei einigen Sätzen, Zitaten oder Musikpassagen,
die Augen schließe und bete. Das ist das große Glück!“
„Wir freuen uns, dass wir die hl. Bernadette jeden Abend aufs Neue
entdecken dürfen, und wir danken den Inszenatoren Sylvie und Philippe,
dass sie es verstanden haben, uns objektiv und einfühlsam die Worte
der hl. Bernadette näher zu bringen.“
Christine und Gilles

|
|

Dialog zwischen einer Lektorin und einer Schauspielerin
Denise
Ich habe zwei Mal vorgelesen und beide Male hat das Publikum gut reagiert.
Ich habe herausgefunden, dass ein „reeller Vortragsstil“ ganz
anders ist, als wenn man etwas einfach nur wiederholt, denn das Publikum
soll „etwas fühlen“ und ich trage einen Text vor mit
dem Wunsch, dass es diesen versteht und emotional nachvollzieht.
Lesen
unterscheidet sich vom „Gang auf den Spuren Bernadettes“…Lesen,
so scheint es mir, bedeutet, einem Text „dienstbar“ zu sein,
ihm Gehör zu verschaffen, durch ihn Emotionen zu wecken, ohne sich
selbst in den Vordergrund zu drängen. Bei der Teilnahme am „Gang“
besteht eine andere persönliche Involviertheit, Erfahrungen aus meinem
eigenen Leben werden wider gespiegelt…so scheint es mir.
Sylvie
Ja, was du über das Lesen sagst, ist wahr und berührt mich;
ich sehe es auf jeden Fall genauso und freue mich, dass du von Anfang
an die besondere „Verantwortung“ des Lektors gegenüber
dem Text wahrgenommen hast. Ich würde sogar sagen, dass diese Verantwortung
in einem spirituellen Kontext noch erweitert wird und ich gestehe, dass
mir das Gebet bei meiner Arbeit sehr geholfen hat. Es ist diese spirituelle
Dimension, die mir bei den Briefen von Bernadette im Vergleich zu anderen
Werken, an denen ich mitgewirkt habe, besonders gefallen hat.
|
Durch das Verlesen
persönlicher Gebete, leihe ich Pilgern, die gekommen sind, um Bernadette
zu treffen, meine eigene Stimme, und das ist eine sehr intensive Erfahrung.
Sie ermöglicht es mir, „aus mir herauszugehen“, meine
eigenen Eindrücke abzulegen und einzutauchen in die spirituellen
Erfahrungen anderer, nämlich derjenigen, die in Bernadette Trost
und Kraft finden, und die dank ihr, ihre Lebensfreude zurück gewinnen
und mit hoffnungsvollem und gestärktem Herzen heimkehren. Was mich
sehr bewegt hat, war die Ergriffenheit des Publikums. Ich hatte den
Eindruck, Bernadette sei da, in ihrer Einfachheit, Kleinheit und Größe…und
dass sie im Herzen jedes einzelnen sei, auch in meinem eigenen. Zum
Abschluss möchte ich ein Stück Text aufgreifen, dass während
der Aufführung aus dem off gesprochen wird und das mich während
meines Alltags begleitet:
„Meine
kleine Heilige, immer im Hintergrund, keine nach Aufmerksamkeit heischenden
Handlungen, keine abgehobenen Texte, keine Aufsehen erregenden Wunderhandlungen
werden dir zugeschrieben…Du eroberst leise deinen Platz in unseren
Herzen, Stück für Stück…
Wir sind alle dazu aufgerufen, heilig zu sein, schreibt ein Anonymus.
Was macht aus dir eine wahrhaft Heilige?...Es ist diese innere Quelle,
die direkt aus dem Leben gespeist wird, und die dem Aufruf folgt, das
Wichtige vom Unwichtigen zu trennen…“ Lasst uns hoffen,
dass auch wir in unserem Alltag die Essenz des LEBENS erkennen.
Geneviève
|